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RADIO FRANCE INTERNATIONAL – DIE STIMME AUS PARIS

AUTOR: Josef Theobald

Im westlichen Nachbarland Frankreich begannen die Sendungen
auf der Kurzwelle am 6. Mai 1931, aber zunächst nur in französi-
scher Sprache. Das war der Tag, an dem in Paris die „Exposition
Coloniale“ eröffnet wurde. Der neue Kurzwellensender erhielt so-
dann auch prompt den Namen „Poste Coloniale“, wobei „poste“
hier für den Sender steht. [1]

Seit den Tagen Napoleons war das Ansehen Frankreichs unter
den Völkern nicht mehr so groß gewesen wie zu dieser Zeit. In
Afrika und Asien beherrschte Frankreich ein großes Kolonial-
reich, dessen Existenz ja zunehmend in das Bewusstsein der
Franzosen rückte und sie mit einigem Stolz erfüllte. Aber noch
bedeutender war aber die glanzvolle internationale Kolonialaus-
stellung. Sechs Monate lang strömten die Franzosen aus Paris
und aus der Provinz in den Bois de Vincennes und bewunderten
dort die Nachbildung des Tempels von Angkor, bestaunten den
marokkanischen und madagassischen Pavillon und ließen sich
trunken machen von Bildern, in denen sich Exotismus und Stolz
auf ein großes zivilisatorisches Werk ineinander verwoben. [2]         

Die neue Sendestation begann mit zwei Sendern von 12 und
15 kW. Vom Start weg sendete der französische Dienst an 13
von 24 Stunden. Lediglich kurze Nachrichten in Englisch und
Spanisch wurden eingeblendet. Mit Beginn des Jahres 1935
sendete man schon alle 24 Stunden und man nahm ein regel-
mäßiges umfangreicheres Fremdsprachenprogramm auf, so
auch in Deutsch. Am 1. Mai 1938 wurde ein 25 kW-Sender in
Betrieb genommen. Der Kurzwellensender nannte sich nun
„Paris Mondiale“, das in etwa „Weltsender Paris“ bedeutet.
Bei Kriegsausbruch 1939 war für „Paris Mondiale“ gerade
ein erster Sender von 100 kW in Betrieb gegangen. Dieser
stand in Allouis, für viele Jahre die Zentrale der Kurzwellen-
sendungen aus Frankreich. Beim Zusammenbruch Frank-
reichs im Juni 1940 wurde allerdings dieser Sender wieder
zerstört. Am 1. Juni 1945 wurden gleich 20 Sprachen auf-
genommen. Darunter auch wieder in Deutsch.

Im Jahre 1973 wurden die ersten 500 kW-Sender in Betrieb
genommen. Jedoch wurden die Sprachdienste von vierzehn
allmählich auf vier reduziert. Die Sendungen in Deutsch hät-
te es auch auf einmal erwischt. Doch eine Artikelserie in der
„Neuen Züricher Zeitung“ hatte die Streichung verhindert. In
diesem Zusammenhang wurde auf das Ansehen der „grande
nation“ verwiesen, die durch die geplante Streichung im Hin-
blick auf den Ost-West-Konflikt einen Schaden erlitten hätte.

In den Achtziger Jahren wurde das Steuer herumgeworfen.
Zug um Zug wurden die Fremdsprachenprogramme wieder
ausgebaut. Programme in Russisch, Serbisch und Polnisch,
in Portugiesisch und Creolisch gehörten wieder zum selbst-
verständlichen Sprachenangebot des Auslandsdienstes. In
Monsinéry (Guayana) fand RADIO FRANCE INTERNATIO-
NALE Platz für eine mächtige Relaisstation für den amerika-
nischen Raum. Die Anmietung von „Radio Africa Nr. 1“ im
afrikanischen Gabun trug die Signale aus dem „Maison de
la Radio“ in die afrikanische Welt.

Ebenso über den starken Mittelwellensender in Straßburg wur-
den Sendungen in Deutsch ausgestrahlt, wie auch schon vor
dem Krieg. Zumindest südlich der Mainlinie war diese Station
zu empfangen. Diese bildete eine sichere Quelle für die Nach-
richten aus Paris. [1]        

Bis 1995 folgte der Aufbau der Sprachdienste in Chinesisch,
Vietnamesisch und Persisch. Seit 1993 sendete man auch in
laotischer Sprache, in Khmer und auf Türkisch.

Am 23. März 2006 aber wurden die Sendungen auf der Kurz-
welle für Europa eingestellt. Im Jahre 2009 wird aufgrund ei-
nes massiven Stellenabbaus bei RADIO FRANCE auch die
deutsche Fremdsprachenredaktion aufgegeben. [3]
   
Seit dem 19. Dezember 2009 strahlt RFI seine Sendungen in
deutscher Sprache nicht mehr aus. Am 29. Januar 2010 ist die
Webseite der Deutschen Redaktion eingestellt worden. [4]   

ANMERKUNGEN
[1] kurzwelle aktuell, Nr. 39/87, SOLDI-Verlag, Hamburg 90, Seite
     10 – 12.
[2] GESCHICHTE FRANKREICHS, Band 6, René Rémond, Frank-
     reich im 20. Jahrhundert, ERSTER TEIL (1918-1958), Deutsche
     Verlags-Anstalt, Stuttgart 1994, Seiten 154/5.
[3] Quelle: WIKIPEDIA, Stichwort: RADIO FRANCE INTERNATIO-
     NALE.
[4] Webseite von RFI in Deutsch.       
 

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