Gemeindekarte Roden aus dem Jahre 1831
(von Walter Schmolenzky)
Nachfolgend ein paar Erläuterungen zu einer der schönsten und ältesten Karten von Roden:
Die Übersichtskarte datiert aus dem Jahre 1831 und wurde vermutlich von einem Geometer namens Klein erstellt. Der genaue Name ist im Rubrum nur schwerlich zu lesen. Roden zählte um diese Zeit ca. 2000 Einwohner und war – wie auf der Karte ersichtlich – bis auf die Hauptwege Gerberei, Herrenstraße, Lindenstraße sowie um den Bereich der alten Kirche (heutiger Marktplatz) nur locker bebaut. Weite Flächen, die heute größtenteils durch Wohnhäuser, Gewerbe- und Industrieanlagen sowie Fernstraßen geprägt werden, waren Acker- Wald- und Weidenflure. Heute wohl nicht mehr vorstellbar!
Leider wurde diese schöne alte Gemarkungskarte von Roden durch die Nationalsozialisten für immer durch unschöne Eintragungen verunstaltet, indem man im Kartenblatt 1936 den Namen Saarlouis in „Saarlautern“ änderte und nachträglich den Verlauf der Eisenbahnlinie Saarbrücken – Trier sowie ein paar neue Wegeführungen in rot einzeichnete. Sehr schade!
Verblieben sind die alten Flurnamen, wobei es sich bei einigen lohnt, schon etwas eingehender zu hinterfragen, worauf die Flurbezeich- nungen zurückzuführen sind. Früher sind Namen häufig nach Gehör geschrieben worden, sodass durchaus auch eine andere Deutung oder ein anderer Ursprung für die Bezeichnung einer Flur infrage kommen kann. In alten Rodener Katasterunterlagen werden zudem Flure häufig auch als Kantone oder Distrikte bezeichnet. Allen gemeinsam liegt jedoch immer ein Gebietsausschnitt aus einem Gemeindegebiet zugrunde. Nachfolgend die Flurbezeichnungen auf der Karte von links nach rechts:
In etwa dort, wo sich heute die Autobahnbrücke über die Saar in den Saarwiesen befindet, befand sich in früher Zeit eine kleine Anlegestelle, an der leichte Boote und Nachen anlegten. Die Bezeichnung Pont… (acker) ist aus dem franz. Ponton = Boot abgeleitet. Die kleinen Kähne, die hier festmachten, kamen vielleicht aus Lisdorf und Wallerfangen und waren mit Acker- und Feldfrüchten aus den dortigen Auenfelder beladen. Möglicherweise hat auch der ein oder andere Saarfischer hier noch seinen Nachen vertäut. Die in alten Schriften häufig erwähnte zweite Furt über die Saar soll sich ebenfalls in diesem Bereich befunden haben.
Der seinerzeit nur wenige Kilometer flußabwärts befindliche sogenannte „Päther Bock“ [1] dürfte bei der Anlegestelle auf Rodener Gemeindegebiet eine tragende Rolle gespielt haben. Beim Päther Bock, bei Pachten, handelte es sich um die Anlegestelle für Frachtschiffe der Dillinger Hütte. Neben Verladerampen befanden sich dort Betriebs- und Lagerhallen. Es ist durchaus denkbar, dass hier neben Hüttenprodukten auch andere Waren umgeschlagen worden sind, die über die Anlegestelle am Rodener Saarufer, dem Pontacker, nach Roden gelangten.
Der Flurname dürfte auf den Eigentümer oder den Nutzer der Flur mit Namen “Kuhn“ zurückzuführen sein. Der Historiker Dr. S. Delges bezeichnet die Flur als „Kuhlpuhl“. Es könnte sich also auch um eine Kuhweide mit einem Pfuhl gehandelt haben. [2]
Brühl bedeutet feuchte nasse Wiesen. Die Flur erstreckte sich von Norden aus in Höhe der heutigen Erschließungswege des Dillinger Saarhafens bis weit in die Schrebergartenkolonie in Roden.
Es gibt am Rodener Berg (Re(ö)derberg den Bruchweg, der in das tiefer gelegene Gelände, in die sogenannten Bruchwiesen, führt. Das Wort „Bruch“, das auf moorige, sumpfige Flächen“ hinweist, kann hier im Zusammenhang mit dem Flurnamen Brühl gesehen werden. In dem Flurbereich befand sich auch das frühere „Rote Meer“, das ebenfalls auf nasse Flächen hindeutet. [3]
Die Bezeichnung beinhaltet das Wort „Sand“, der in weiten Teilen am Rodener Berg, entlang der Lorisstraße, des Volksparkes und des Friedhofes anzutreffen ist. Diese Bereiche stellen auch den sogenannten östlichen Beckenrand des Saarlouiser Beckens dar, der weitestgehend durch gelblich rote-Sedimentschichten geprägt wird.
Noch im letzten Jahrhundert gab es in der Josefstraße, etwa dort, wo heute das Schützenhaus steht, eine große Sandkaul, die für Kinder ein wunderbarer Spielplatz war. Der Sand, der hier in nicht unerheblichen Mengen abgebaut worden ist, war nach dem 2. Weltkrieg ein begehrter Baustoff. Unter älteren Rodener wird die untere Lorisstraße heute noch als „In der Sandkaul“ bezeichnet und einige Leser können sich auch noch an die Gaststätte „Zur Sandkaul“ Ecke Heiligen- Lorisstraße erinnern.
Die vorstehende Flurbezeichnung dürfte auf den Eigentümer bzw. Nutzer mit Nachnamen „Hahn“zurückzuführen sein. Jedenfalls habe ich keine andere Deutung gefunden.
Die sonnige Hanglage in südwestlicher Richtung spricht dafür, dass hier einmal Wein angebaut worden ist. Vermutlich wurde nur wenig Wein angebaut, weil es sich um ein „Gewännchen“, um ein kleines Gewann gehandelt hat. Gewann ist im übrigen auch eine Flurbezeichnung.
Die Flurbezeichnung ist seinerzeit nach Gehör geschrieben worden. Richtigerweise heißt sie „Wolfesrath“.[4]
Ob der Flurname vom Nachnamen Wolf oder auf das frühere Vorhandensein von Wölfen zurückzuführen ist, lässt sich zweifelsfrei nicht recherchieren. Da es auch in Wallerfangen eine Wolfesrath gab, die nachgewiesenermaßen auf das Vorkommen von Wölfen zurückzuführen ist, trifft dies mit hoher Wahrscheinlichkeit auch auf die Flur Wolfesrath in Roden zu. [5]
Auch die Nähe zu Dillingen spricht dafür. In alten Schriften kann man nämlich nachlesen, dass durch Regierungserlaß die Bauern in Dillingen aufgefordert wurden, sich bei der Feldarbeit mit Harken und Forken auszurüsten, um sich so gegen Wölfe wehren zu können. [6] Die waldreichen Flächen in Dillingen, der Saarwellinger Wald, die fast übergangslos in den Rodener Wald übergegangen sind, waren früher reich an Wild und für Wölfe somit ein guter Standort. Leider wurde der Rodener Wald 1919 im Zuge der Industrialisierung verkauft und abgeholzt. Hierüber waren seinerzeit viele Rodener erbost und verärgert, zumal es danach doch nicht zu einer Industrie- ansiedelung kam.
Erst heute befinden sich dort neben Gewerbe- und Industrieanlagen die Ford Werke.
Nach der Flurbezeichnung sind heute die kleine und die große Rathstraße benannt. Als „Rath“ bezeichnet man im Mitteldeutschen abgegrenzte, eingefriedete Grundstücke.
Der Langenberg ist Teil der Hochterrasse des Saarlouiser Beckens, die sich vom Rodener Berg über den Römerberg bis zu Fordwerken erstreckt. Zu der Höhenlage, dem Langenberg, führen u. a. die Winter- und die Treppenstraße.
Letztere, die Treppenstraße, wie schon der Name verrät, ist eine beschwerliche und lange Wegestrecke bis hoch zu der Anhöhe. Auf die langgezogene Wegstrecke ist vermutlich der Flurname, Langen- berg, zurückzuführen. Heute weist die Straße „Am Langenberg“ auf die alte Bezeichnung hin.
Die Bezeichnung stellt auf eine unbewirtschaftete Fläche, mit wenig ertragreichem Boden, einer Heide ähnlichen Landschaft ab. Früher waren hier weite Teile mit Ginster bedeckt.
Von Auenflächen abgeleitet. Weite Wiesen, die von einem Fluß durchzogen werden, sind typische Auenlandschaften. Man stelle sich vor, man steht in früher Zeit auf der Teufelsburg und blickt in Richtung Osten. Eine weite grüne Ebene, die vom blauen Band der Saar durchzogen wird, liegt einem zu Füßen. So oder so ähnlich, wird in alten Schriften das Saartal, das Saarlouiser Becken, traumhaft beschrieben. Obwohl im Laufe der Zeit die Saar verlegt und begradigt worden ist, zählen die Rodener Saarwiesen noch heute mit zu den schönsten Flußauen im Land.
Heute geschrieben, „die Fliesen“. Die Deutung liegt auf fließendem Wasser. Dazu muss man wissen, das noch im vergangenen Jahrhundert, vor der Saarverlegung, weite Teile der Flur, heute südlich der Schanzenstraße, regelmäßig unter Wasser standen, wenn die Saar Hochwasser führte. Der frühere Rodener Damm und die Schleusenbrücke an der Schanzenstraße waren Relikte aus jenen Tagen und zeugten davon, dass hier ständig Wasser floß. [7]
Außerdem gehörten die Fliesen zum Überschwemmungssystem der Festungsstadt Saarlouis. [8]
Dieser Bezeichnung liegen die dort vorkommenden gelben Sandschichten zugrunde.
Wie auf der Karte zu sehen ist, war die Flur früher bewaldet. Der Flurname ist auf die Familie „Lessel“ (ehemalige Gaststätte „Lessel“, heute beim Ali) zurückzuführen, die dort wohnte oder in deren Eigentum die Flur stand.
Am Kartenrand unten, in den Fliesen, ist der „Kowatschenhof“ eingetragen, mit dem es folgende Bewandtnis hat:
Franz Kowatsch, nach dem der Hof benannt war, war unter Marschall Ney Militärattachè. Im Jahre 1812 erhielt er wegen seiner Verdienste das obige Grundstück in Roden und errichtete darauf eine Hofanlage. Einen großen landwirtschaftlichen Betrieb mit einer Gaststätte. [9]
Später nannte man das Grundstück „Schönensgarten“, der der Familie Schönen gehörte. Nach dem 2. Weltkrieg befand sich in dem Bereich (heute Ev. Realschule CM King), der auch das Binzgelände genannt wird, der Rodener Fußballplatz „Auf der Binz“ (ebenfalls eine Flurbezeichnung stellt auf Binsen, Schilf, Röhricht ab).
Flurnamen werden im Laufe der Zeit auch umbenannt. So hießen z. Bsp. einige der vorgenannten Flurstücke bei einer Bannbegehung im Jahre 1636: an Stauden, Baumellen, Buchborn, Hepeloch um nur einige zu nennen. [10]
[1]
Heimatkundliches Jahrbuch Landkreis Saarlouis 1975, S. 359
[2]
Dr. S. Delges, Roden im Wandel der Jahrhunderte 1933, S. 52
[3]
Heimatkundliches Jahrbuch Saarlouis 1960, S. 386
Aus dem Rodener Gedächtnis 2018, S. 60
[4]
Dr. S. Delges Roden im Wandel der Jahrhunderte 1933, S. 52
[5]
Theod. Liebertz, Wallerfangen und seine Geschichte, S. 84
[6]
Aus dem Rodener Gedächtnis, 2018, Der Wolf in unserer Heimat, S. 48
[7]
Vermischtes aus dem alten Roden, 2019, Rodener Straßennamen, S. 14
[8]
Saarlouis, Lohse-Balzer, 1977
[9]
Unsere Heimat Mtbl. des Landkreises Saarlouis, 1994, Heft 4, S. 136
[10]
Dr. S. Delges, Roden im Wandel der Jahrhunderte, 1933, S. 36ff