Wo stand das Rodener Schloß? 

           Ein Plädoyer für den Standort in der Herrenstraße
                            (von Walter Schmolenzky)             

 

Das „Rodener Schloß“ nimmt einen breiten Raum in der Rodener Ortsgeschichte ein. Angefangen von der Schenkungsurkunde aus dem Jahre 995 durch Berta, der Witwe des Grafen Folkmar, bis zu den Fragen:

„Schloß oder Herrensitz“  –  „Gutshof oder Lehnhof“ ?

Viele offene Fragen, die sich um das Schloß ranken. Keine wurde bisher abschließend beantwortet.

Neuerdings wird sogar der alte Standort in der Herrenstraße in Frage gestellt und in die Schmiedestraße, früher Wassergasse, verlegt, wofür es allerdings keine schlüssigen Anhaltspunkte  gibt. Die Befürworter dieser These mögen es mir daher nachsehen, wenn ich hier für den alten Stand- ort plädiere. Nicht nur, weil ich im sogenannten Schloß geboren bin, möchte ich den alten Standort in der Herrenstraße beibehalten. Nein, vielmehr glaube ich, neben den bereits hinlänglich bekannten Argu- menten ein paar neue Aspekte zur Standortfrage liefern zu können.

Auf dem Foto, das einen kleinen Ausschnitt des Schloßhofes aus dem Jahre 1943 zeigt, stehe ich zwar im Vordergrund, die Aufmerksamkeit des Betrachters möchte ich jedoch auf die im rechten Bildrand befindlichen Steinquader lenken.

Nach den Erzählungen der Alten aus dem Schloß, zu nennen sind hier mein Großvater Friedrich Gombert, der alte Schreinermeister Johann Schuder, genannt „Schuder Schang“ sowie „Lochen Brieder“, dessen richtiger Name mir leider entfallen ist (ich erinnere mich nur, dass ihm ein Bein fehlte , das er im ersten Weltkrieg verloren hatte), soll es sich bei den Quadern um die Überreste des alten Schloßbrunnens handeln, dessen Umrisse auf der Aufnahme leider nicht zu sehen sind.

Bedauerlicherweise sind die Steinquader, die Reste des alten Schloßbrunnens sowie die alte Hofraumbefestigung nach dem 2. Welt- krieg mit den Ruinen und den riesigen Schuttbergen im Schloßhof beseitigt worden. Im Zuge dieser Aufräum- und Abrissarbeiten hat man auch die historischen Gewölbekeller unter den Häusern 60 und 62 eingerissen und zugeschüttet, in denen ich als Kind noch gespielt habe und in denen die Schloßbewohner während der Bombenangriffe im 2. Weltkrieg Schutz suchten. Ähnliche Keller, über die in der Heimat- geschichte schon vielfach berichtet wurde, befinden sich noch heute unter den Häusern 64 und 66. Noch bis in die späten 1960iger Jahre konnte man an einer Steinformation im Hofraum die Umrisse des Schloßbrunnens erkennen. Auch hierüber wurde berichtet. Das alles sind natürlich noch keine Beweise für die frühere Existenz des Rodener Schloßes an dieser Stelle. Dennoch:

So empfehle ich dem kritischen Leser einmal die Rolle eines unbefangenen Beobachters einzunehmen und die Hofraumrand-bebauung von der Straße aus zu betrachten. Er wird unschwer erkennen, dass die Anordnung der Gebäude zu einem offenen Karree in Südwest- richtung für ein herrschaftliches Anwesen typisch sind.

Dort, wo sich die rückwärtige Häuserzeile befindet, könnte durchaus das Haupthaus gestanden haben. Daran anschließend links und rechts die Gesindehäuser und die Stallungen. In der Hofmitte, quasi als Blickfang und Solitär, der Schloßbrunnen. Eine repräsentative Planung, mit weitem Blick über die Saarauen zu den Höhenzügen des Gaues und des Limberges. Ein idealer Standort. Selbst der größte Skeptiker muß einräumen, dass hier einmal eine besondere bauliche Anlage gestanden haben muß. Warum nicht das Rodener Schloß?

Ein weiteres Indiz für die frühere Existenz des Rodener Schloßes an dieser Stelle könnte meines Erachtens auch der Dorfplan aus dem Jahre 1780 sein. Wie auf dem Plan deutlich zu sehen ist, gehörte zu dem Anwesen ein großer Landbesitz, die sogenannte „Rath“. Heute wird das Areal hinter den Häusern von der Eisenbahnlinie durchschnitten und es schließen sich – von dem Wort Rath – abgeleitet, die große und kleine Rathstraße an. Mit Rath bezeichnet man im Mittelhochdeutschen im übrigen den Landbesitz für ein größeres Anwesen, das hier in der Herrenstraße wohl zweifelsfrei gestanden hat.

Die Deutsche Straße Saarlouis nach Kriegsende

Während der schweren Luftangriffe (1942/1943) und vor allem durch die heftigen Artillerie- und Bodenkämpfe im Winter 1944/1945 wurde die historische Innenstadt von Saarlouis (das von den Nationalsozialisten zwischen 1936 und 1945 in „Saarlautern“ umbenannt worden war) massiv zerstört. Die Deutsche Straße lag nach dem Einzug der US-Truppen und dem anschließenden Wechsel zur französischen Besatzungsmacht zu großen Teilen in Trümmern.
Der systematische Wiederaufbau der Straße begann Ende der 1940er Jahre.
Bild: Zwischen den Trümmern erkennt man eine Holzbaracke mit der Aufschrift „STADTVERWALTUNG – AUSKUNFT“
Bildquelle: Museum Saarlouis
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Heimatgeschichte hautnah: Über 90 Gäste erleben Alfred Guldens Hoffmann-Porträt in Roden

ber 90 begeisterte Besucher machten den vergangenen Donnerstagabend im „Café mit Herz“ zu einem unvergesslichen Kulturereignis für die Region. Im Rahmen der etablierten „Rodena Veranstaltungsreihe“ – als Fortsetzung der erfolgreichen Termine vom 17.10. bis 29.10.2025 – luden Rodena, die vhs Saarlouis, das Quartiersmanagement Roden, die Stadtbibliothek Saarlouis und die Diakonie zu einem Abend ein, der tief in die saarländische Identität eintauchte.
Nach der Begrüßung der zahlreichen Gäste durch Rosa-Maria Kiefer-Paulus stand das zentrale Highlight des Abends auf dem Programm: die Vorführung der Dokumentation „Johannes Hoffmann im Porträt“. Gezeigt wurde das Werk von dem Regisseur selbst, Alfred Gulden.
Als Gulden den Film vor rund 40 Jahren für den Saarländischen Rundfunk (SR) realisierte, gab es kaum nennenswerte filmische Darstellungen über den oft umstrittenen ersten Ministerpräsidenten des Saarlandes. Für die Produktion konnte der Filmemacher damals exklusiv auf Materialien aus dem Familienarchiv der Familie Hoffmann zugreifen. Entstanden ist ein historisch aufschlussreiches Zeitdokument, das sowohl den Menschen als auch den politischen Visionär „JoHo“ beleuchtet – eine Persönlichkeit, deren Bewertung sich im Laufe der Jahrzehnte stark gewandelt hat. Der Film zog das Publikum von der ersten Minute an in seinen Bann und machte ein entscheidendes, emotionales Kapitel unserer Heimatgeschichte greifbar.
In einem packenden Vortrag berichtete Alfred Gulden zunächst von der Entstehung dieses besonderen Films. Im Anschluss begeisterte er die Anwesenden mit seinen Rodener Mundartvorträgen, die dem Abend eine ganz persönliche und vertraute Note verliehen.
Die anschließende Gesprächs- und Diskussionsrunde entwickelte sich schnell zu einem lebendigen Austausch. Die Besucher nutzten die Gelegenheit ausgiebig, um Fragen zu stellen, tiefer in die Thematik einzutauchen und eigene Erinnerungen an diese prägende Ära des Saarlandes zu teilen.
Den offiziellen Abschluss der Veranstaltung gestaltete Andreas Obster von der vhs Saarlouis. Er dankte allen Mitwirkenden und würdigte den großen Erfolg dieses starken Kooperationsprojekts. Das Ende des Programms läutete den gemütlichen Teil des Abends ein: Bei einem gemeinsamen Umtrunk mit Snacks blieb das Publikum noch lange beisammen, um die tiefen Eindrücke in geselliger Runde Revue passieren zu lassen.

Generationen verbinden: Ein bunter Bastelmorgen voller Lebensfreude

Am Dienstagmorgen erlebte die Victor’s Residenz in Roden einen ganz besonderen Besuch: Die Schülerinnen und Schüler der Klasse 3 der Grundschule Römerbergschule und der Rodener Heimatkundeverein Rodena waren zu Gast, um gemeinsam mit den Seniorinnen und Senioren der Einrichtung kreativ zu werden.

Schon beim Eintreffen der Kinder war die Vorfreude spürbar. Nach einer herzlichen Begrüßung im vorbereiteten Gemeinschaftsraum fanden Jung und Alt schnell an den Basteltischen zusammen. Berührungsängste gab es keine – im Gegenteil: Schnell entwickelten sich die ersten lebhaften Gespräche zwischen den Generationen.

Unter dem Motto des kreativen Gestaltens wurde fleißig geschnitten, geklebt und gemalt. Während die Kinder mit ihrer unbeschwerten, fröhlichen Energie viel Leben und frischen Wind in die Runde brachten, standen die Senioren ihnen mit Geduld, Erfahrung und manch gutem Rat zur Seite. Es war ein faszinierendes Zusammenspiel: Kleine Hände halfen beim präzisen Ausschneiden, während die ältere Generation Geschichten aus ihrer eigenen Schulzeit zum Besten gab.

Besonders das herbstliche Motiv des Eichenblattes weckte bei den Senioren viele Erinnerungen an frühere Herbsttage, die sie gerne mit den Schülern teilten. Das gemeinsame Arbeiten schuf eine spürbar warme und harmonische Atmosphäre. Die Augen der Senioren leuchteten über den Besuch und die Lebendigkeit der Kinder.

Am Ende des Vormittags konnten alle Beteiligten stolz auf eine Vielzahl wunderschöner, selbstgemachter Kunstwerke blicken. Das Ergebnis dieser gelungenen Kooperation zwischen der Victor’s Residenz, den Kindern der Römerbergschule und dem Heimatkundeverein Rodena sind aber nicht nur die charmanten Papiermännchen, die nun als Dekoration die Zimmer der Bewohner schmücken. Es sind vor allem die wertvollen, gemeinsamen Momente im Herzen aller Beteiligten.

Dieser Dienstagmorgen hat einmal mehr gezeigt, wie wertvoll und bereichernd die Begegnung zwischen den Generationen für unsere Gemeinschaft ist.

Johannes Hoffmann im Porträt – Filmvorführung und Diskussion mit Alfred Gulden

Ein Stück saarländische Geschichte hautnah erleben!
Tauchen Sie ein in ein entscheidendes Kapitel unserer Heimat: Anlässlich des 70. Jahrestages der historischen Volksbefragung (23.10.1925) über das Saarstatut laden wir Sie zu einem ganz besonderen Abend ein.

Die Veranstaltung bildet die Fortsetzung der „Rodena Veranstaltungsreihe“ (17.10. – 29.10.2025).

Erleben Sie das einzigartige Filmporträt „JoHo Johannes Hoffmann“ von und mit dem bekannten saarländischen Autor und Regisseur Alfred Gulden. Nutzen Sie im Anschluss die seltene Gelegenheit, persönlich mit dem Filmemacher ins Gespräch zu kommen. Nach dem offiziellen Teil lassen wir den Abend gemütlich bei einem gemeinsamen Umtrunk ausklingen.

  • 📅 Wann: Donnerstag, 17. September 2026 | 18:00 Uhr
  • 📍 Wo: Donatuszentrum, Café „Herz und Hand“ (Saarlouis-Roden), Schulstr. 7
  • 🎟️ Eintritt: Kostenfrei!

Anmeldung & Informationen:
Zur besseren Planung der Plätze bitten wir um Anmeldung bis zum 11. September unter:

  • Kursnummer: 262-10022
  • Telefon (VHS Saarlouis): 06831/69890-30
  • E-Mail: vhs@saarlouis.de

Eine Veranstaltung des Rodena Heimatkundevereins Roden, der Diakonie, der VHS Saarlouis, der Quartiersmanagerin Roden und der Stadtbibliothek Saarlouis – mit freundlicher Genehmigung des Saarländischen Rundfunks.
(Filmbild: Alfred Gulden)

Der Maiworms Hannes – Eine Erzählung aus der Nachkriegszeit von Walter Schmolenzky

Angeregt durch die vielen Presseberichte über das „Bundeshäuschen“ in Bonn, einem Getränke- und Zeitungskiosk aus den 1950-iger Jahren, den man inzwischen sogar unter Denkmalschutz gestellt hat, erinnerte ich mich daran, dass es in Roden einen ähnlichen Kiosk gab.

Das Holzbüdchen stand auf dem Bahnhofsvorplatz, und zwar an der Straßenbahnhaltestelle der Linie 1. Was das Bundeshäuschen für die Abgeordneten und Minister in Bonn war, die hier ihre Zeitungen und Tabakwaren kauften, war für die Rodener der Verkaufskiosk am Bahnhof. Zugegeben: Das Holzhäuschen mit dem Bundeshäuschen in Bonn zu vergleichen dürfte ein wenig weit hergeholt sein und ich räume gerne ein, dass es in Roden sicherlich bedeutendere Bauwerke gibt, über die es sich eher lohnen würde zu berichten. Dennoch möchte ich diesem kleinen Zeitungs- und Verkaufsstand aus den späten Nachkriegsjahren, insbesondere seinem Betreiber, einem Rodener Original, dem „Maiworms Hannes“, ein paar Zeilen widmen:

Das kleine, aus Restfarben weiß-blau gestrichene Holzbüdchen mit der farbigen Werbung für allerlei Süssigkeiten und den bunten Zeit- schriften, war für uns Kinder ein farbenfroher Anblick auf dem an- sonsten von Ruinen und grauen Wohnblocks umgebenen Bahn-hofsvorplatz. Oft umlagerten wir Kinder den Kiosk und betrachteten die bunten Auslagen hinter den kleinen Butzenscheiben, bis der Hannes es leid war und uns verscheuchte. Hochglanzmagazine der Schönen und Reichen, Illustrierte mit Aufnahmen ausländischer Schauspieler und Sportler zogen uns magisch an. Für uns Kinder und Jugendliche eine unerreichbare Welt. Unsere kleine Welt war die Welt der Süßigkeiten, der Meckos und Lollys, sowie die damaligen Comic`s: Akim, Sigurd, Tarzan, Phantom und die unsterbliche  Mickey Maus.

Obwohl der Hannes meist mürrisch und griesgrämig war, steckte er uns ab und an ein paar Guuzia (Bonbons) zu oder schenkte uns ein altes, abgegriffenes Comic-Heft. So ganz selbstlos tat es das alte Schlitzohr allerdings nicht. Er wusste nämlich genau, dass wir die wenigen Francs, die wir beim Altmaterialsammeln einnahmen, wieder bei ihm ausgaben. Mit einigen von uns hatte er ein Abkommen geschlossen  –  heute sagt man wohl „Deal“ dazu. Für Comics, die wir gelesen und sauber zurück gaben, erstattete er uns den halben Kaufpreis, um sie anschließend wieder zum vollen Preis zu verkaufen. Waren die abgegriffenen Hefte einfach nicht mehr zu verkaufen, dann verlieh er sie noch für ein paar Franc, bis sie schließlich auseinanderfielen. Nicht nur uns Kinder hatte er mit dieser Masche an sich gebunden; nein, auch Erwachsene gingen ihm auf den Leim.

Bei schönem Wetter saß der Hannes meist vor seinem Büdchen. Oft saßen ein paar Rentner auf ihren mitgebrachten Klappstühlen mit in der Runde. Dabei rauchten sie ihre Selbstgedrehten aus getrockneten Tabakblättern (Gewel s. unten!) und tranken dazu ihr Gläschen selbst gebrannten Schnaps. Ab und an spendierte der Hannes aus seinem Bestand eine nachtschwarze Originalzigarette der Marken: Puck und Rotfuchs oder seine  Hausmarke. Dies geschah nicht ohne Hinterge- danken:

Der alte Fuchs drehte nämlich auf einer eigens von ihm entwickelten Maschine aus dem minderwertigen Gewel, dem er eine Prise hoch- wertigen Tabaks beimischte, erstaunlich runde und fest gedrehte Zigaretten, die er unter der Hand als seine Hausmarke unter die Leute brachte. So war er, der Maiworms Hannes, ein Schlitzohr, ein Rodener Original.

Die Nachkriegsjahre neigten sich ihrem Ende zu und  der Hannes-bekam Konkurrenz. In der Bahnhofshalle wurde ein neuer Kiosk eröffnet und immer mehr Geschäfte führten Zeitschriften und Tabakwaren. Und eines Tages, fast über Nacht, waren der Hannes und sein buntes Holzbüdchen am Bahnhof verschwunden und mit beiden auch Stück Rodener Nachkriegsgeschichte.

Anmerkung:

„Gewel,“ Bezeichnung für selbst angepflanzten Tabak in der Nach- kriegszeit, der nach der Ernte in der Regel am Hausgiebel zum trocknen aufgehangen wurde. „Gewel,“ also abgeleitet von  Giebel und wohl von der gelben Farbe der Tabakblätter.

Bildquelle: LA Saarbrücken – so ähnlich sah der Bahnhofskiosk aus!

 

Nachruf

In tiefer Trauer nehmen wir Abschied von unserem geschätzten Vereinsmitglied Wolfgang Recktenwald, der im Alter von 90 Jahren von uns gegangen ist.
Wir verlieren nicht nur ein treues Mitglied, sondern auch einen wunderbaren Menschen und geschätzten Freund. Die Lücke, die erhinterlässt, wird nur schwer zu schließen sein. Wir werden das Andenken in Ehren halten und uns stets dankbar an die gemeinsamen Zeiten erinnern. Unser tiefes Mitgefühl und unsere Gedanken gelten in diesen schweren Stunden der Familie und allen Angehörigen.
In dankbarer Erinnerung,
Vorstand des Rodena Heimatkundeverein Roden e.V.

Einschulung 1939: 1. Schuljahr an der Donatusschule Roden

Vor der Evakuierung begann das Schuljahr ganz normal nach den Osterferien im April 1939. Die Mädchen im Saarland feierten ihre Einschulung mit traditionellen Schultüten, trugen Schürzen über den Kleidern und lernten die Sütterlinschrift.
Im Laufe des Jahres wurde der Schulalltag jedoch zunehmend von den Vorbereitungen und dem Beginn des Zweiten Weltkriegs am 1. September 1939 überschattet.
Der Unterricht unterlag bereits stark der nationalsozialistischen Erziehung, und ab dem zehnten Lebensjahr war die Mitgliedschaft in Hitlerjugend oder Jungvolk prägend.
Der Unterricht legte bei Mädchen großen Wert auf Fächer wie Handarbeit, Hauswirtschaft, Rassenkunde und Turnen, um sie auf ihre spätere Rolle als Mutter vorzubereiten. Für ältere Mädchen ab 10 Jahren war die Mitgliedschaft im Jungmädelbund (Unterorganisation des Bundes Deutscher Mädel / BDM) ab März 1939 durch die „Jugenddienstpflicht“ gesetzlich verpflichtend. Die Erstklässlerinnen im Jahr 1939 waren dafür noch zu jung, wurden aber im Unterricht bereits darauf vorbereitet.
Durch die geografische Lage direkt an der französischen Grenze wurde das Saarland zur Frontzone. Unmittelbar mit dem Kriegsbeginn am 1. September 1939 wurde die Bevölkerung der sogenannten „Roten Zone“ evakuiert.
Die meisten Familien kamen per Zug nach Thüringen, Hessen, Franken oder Bayern.
Die Lehrerin des Jahrgangs 1939 an der Donatusschule war Fräulein Prümm. Die Bezeichnung „Fräulein“ war damals die absolut übliche, offizielle Anrede für unverheiratete Lehrerinnen Für viele der Mädchen, die im April 1939 eingeschult wurden, war Fräulein Prümm die prägende Bezugsperson der ersten Klasse. Sie leitete eines der Schuljahre, die durch die Evakuierung im September 1939 jäh zerrissen wurden.
Sie musste im Sommer 1939 den schwierigen Spagat meistern, den Erstklässlerinnen inmitten der politischen Gleichschaltung das Lesen und Schreiben beizubringen – und das genau in der Phase, in der die Sütterlinschrift auf staatliche Anweisung schrittweise zurückgedrängt wurde.
Als Roden im September 1939 geräumt wurde, teilte sie das Schicksal ihrer Schülerinnen. Für die saarländischen Erstklässlerinnen bedeutete dies, dass sie nach wenigen Monaten im Saarland plötzlich in mitteldeutschen Schulen saßen. Zeitzeugenberichte zeigen, dass die saarländischen Kinder wegen ihres Dialekts in den neuen Schulen oft ausgegrenzt und als „Sarfranzosen“ verspottet wurden.
Nach der Rückkehr aus der Evakuierung (ab Sommer 1940) führte Fräulein Prümm den Unterricht für die Mädchen in Roden fort.
Fräulein Prümm blieb der Donatusschule über sehr lange Zeit treu. Viele Rodenerinnen, die in den 1940er, 1950er oder sogar noch frühen 1960er Jahren dort zur Schule gingen, erinnern sich an sie als eine pflichtbewusste, strenge, aber oft auch sehr mütterliche Lehrerin des ersten Schuljahres.
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Vor unserer Haustüre, die Festungsstadt Saarlouis

Walter Schmolenzky

Über den Tellerrand:

Interessantes, nicht unbedingt Wissenswertes, über unsere Heimatstadt in ihren Anfängen:

Nach der Geschichtsschreibung soll wenige Monate nach der Grundsteinlegung am 5. Aug. 1680 zum Bau der Festungsstadt Saarlouis, am Himmel ein hell leuchtender „Komet“ vorbeigezogen sein, der sowohl die Arbeiter an der Festung, als auch die Bevölkerung in den umliegenden Dörfern, so auch im angrenzenden Roden, in Angst und Schrecken versetzte. [1]

Die meisten Menschen, insbesondere die einfachen Dorfbewohner, sahen in der Himmelserscheinung ein böses Omen, das ihnen und der neuen Stadt vermutlich nur Unheil, Krieg und Verderben bringen würde. Die bäuerliche Bevölkerung, die in dieser Zeit noch recht abergläubisch war, fürchtete um Krankheiten, Ernteschäden, Seuchen und um den Verlust des so wichtigen Viehes im Stall. Andere wiederum, allen voran die Planer und Befürworter der neuen Stadt, wollten in dem Kometen dagegen ein Zeichen des Himmels sehen, das der zukünftigen Festungsstadt und den umliegenden Dörfern nur Glück, Reichtum und ein langes Bestehen bescheren werde.

Viele Jahre später, die Stadt war nach ihrer Fertigstellung eine feste Größe unter den damaligen Festungsstädten und reihte sich ein in so bekannte Festen wie Longeville oder Montroyal. Die Garnisonsstadt war allerdings wenig beliebt. Viele Militärs, insbesondere in den höheren Rängen, sahen ihre Versetzung in die Festungsstadt als Strafe, gar als Verbannung an.

In Verruf geriet die Garnisonsstadt unter anderem durch die abstrusen Reiseaufzeichnungen des Koblenzer Autors und Verlegers Karl Baedeker, der in einem seiner Reisehandbücher um 1870 schrieb: „die Festungsstadt Saarlouis sei, ob ihrer Bewohner, in ihren Anfängen wohl mit französischen Sträflingen bevölkert worden.“ Ähnlich negativ äußerte sich auch Otto von Corvin, der als junger Leutnant in der Stadt stationiert war. In seinen „Erinnerungen“, die 1861 in Amsterdam veröffentlicht wurden, schrieb er: „Saarlouis ist eine Festung, die in frühen Jahren wohl mit Galeerensklaven bevölkert wurde und in ihren Mauern verruchte Frauenzimmer aus dem Pariser Palais Royal beheimatet “ [2]

Zum Eindruck einer rauen Garnisonsstadt dürfte auch die folgende verbürgte Einrichtung beigetragen haben: „Die Festungsstadt verfügte neben dem sonst üblichen Galgen und Pranger auf dem Paradeplatz (place dàrmes) über einen weiteren, ganz besonderen Pranger in Form eines hölzernen Pferdes mit einem sehr schneidenden Rücken, auf den man die des nachts in den Kasernen ertappten Freudenmädchen setzte und so zur Schau stellte.“ [3]

Das genaue Gegenteil einer kalten und gesichtslosen Festungsstadt zeichnet Dr. H. Prümm in seinem Aufsatz „Saarlouis“ über unsere Heimatstadt: [ 4]

Man stelle sich vor, so Prümm, ein Postreisender aus Lothringen erreicht in jenen Tagen die Felsberger Höhe. Zu seinen Füßen eine weite grüne Talaue, durchschnitten vom blauen Band der Saar und in der Mitte dieses herrlichen Tales gelegen, die „Freystadt und Festungsstadt Saarlouis.“ Unübersehbar der Glaciskranz, der die Festung lückenlos umschließt, die rasenbedecken Wälle und der auffallende Barockturm der Pfarrkirche:

So lag Saarlouis da
Sur la Saar, wie`n Citadelle
Couronnet wie en Kinniggin
Mit Batterien, Bäm on Magasin.

[1] Wikepedia:
Erst viele Jahre später ordnete der Astronom Halley den Himmelskörper, der in jenen Tagen nicht nur am Himmel über Saarlouis so viel Angst und Schrecken verbreitete, als einen alle 75- 77 Jahre periodisch wiederkehrenden Kometen ein, der heute als „Halleyscher Komet“ bezeichnet wird.

[2] Otto von Corvin bekannt als Offizier, Demokrat und Revolutionär sowie Autor des Buches „Pfaffenspiegel“.

[3] Baltzer – Histor. Notizen über die Stadt Saarlouis, Nachdruck: 1979, S. 134

[4] Dr. H. Prümm, „Saarlouis“. In „Das Saarland“ Heimatbuch von Fritz Kloevekorn 1924, S. 201

 

Fronleichnahm damals in Roden

Fronleichnam ist ein Fest der katholischen Kirche, bei dem die bleibende Gegenwart Jesu Christi im Sakrament der Eucharistie gefeiert wird.
Die katholische Kirche feiert an diesem Tag den Glauben, dass Jesus Christus in Form von Brot (Hostie) und Wein im Abendmahl real und leiblich gegenwärtig ist. Das Fest knüpft an das letzte Abendmahl am Gründonnerstag vor Ostern an. Da die Karwoche vor Ostern jedoch eine stille Trauerzeit ist, wird das prunkvolle Fest im Frühsommer nachgeholt.
Nach einem Gottesdienst zog die Gemeinde in einem Festzug mit Vereinen, den Kommunionkindern des aktuellen Jahres in Begleitung eines Musikvereines durch die Straßen. Der Priester trägt dabei die gewandelte Hostie in einer Monstranz unter einem Stoffbaldachin, dem sogenannten „Himmel“ durch die Straßen. Früher gab es in Roden vier Außenaltäre. An jeder Station wurde Halt gemacht um aus dem Evangelium vorzulesen und den Segen in alle Himmelsrichtungen zu spenden.
Die Anwohner schmückten ihre Häuser feierlich mit Fahnen, religiösen Figuren und Blumen in den Fenstern. Auf den Bürgersteigen steckten Prozessionsfähnchen an Holzstäben im Boden, und vor einigen Häusern waren sogar kleine private Altäre aufgebaut.
Die Prozessionswege wurden mit frisch gemähtem Gras bestreut. Direkt vor den Außenaltären waren kunstvolle Blumenteppiche, die aus unzähligen einzelnen Blüten zu religiösen Bildern oder Schriften von den Helfern gelegt. Neben den Altären standen links und rechts Birkenbäumchen. Nach dem Weg durch die Straßen und dem Halt an allen Stationen fand der feierliche Abschluss der Prozession in der Kirche statt.

Das Fronleichnamsfest von damals mit seinen vier Altären gehört heute der Vergangenheit an. Priestermangel, größere Seelsorgeeinheiten und vor allem das Fehlen von freiwilligen Helfern für den aufwendigen Aufbau haben dazu geführt, dass die Prozessionen heute meist nur noch an einer einzigen Station haltmachen.

Damals, als es noch einen Kirchenschweizer in Roden gab!

Der Beruf des Kirchenschweizers, der seine Ursprünge im 17. und 18. Jahrhundert hatte, ist eng mit der Geschichte unserer Kirche verbunden. Ursprünglich waren diese Männer oft ehemalige Soldaten, die – bewaffnet mit Spießen, Hellebarden oder Lanzen – für Ruhe und Ordnung im Gotteshaus sorgten.
Im Laufe der Jahrhunderte wandelte sich das Aufgabenfeld: Vom rein funktionellen Sicherheitsdienst entwickelte sich das Amt zunehmend hin zu einer feierlichen Repräsentation. Dennoch blieb der Kirchenschweizer eine Respektsperson. Bis Mitte der 1960er Jahre war er aus dem Gemeindeleben nicht wegzudenken.
Besonders in Erinnerung bleibt seine imposante Erscheinung: Er trug einen schweren, leuchtend roten Rock, Kopfbedeckung und weiße Handschuhe. Sein wichtigstes Utensil war die goldene Hellebarde. Mit ihr verschaffte er sich bei feierlichen Einzügen oder Prozessionen Respekt; das rhythmische Stoßen des Stabes auf den Kirchenboden war ein unverkennbares Signal, das den Priestern den Weg bahnte und die Aufmerksamkeit der Gemeinde forderte.
Wer in unserer Kindheit in der Messe zu laut war oder sich nicht angemessen verhielt, bekam die Disziplin des Kirchenschweizers schnell zu spüren: Ein kurzes, bestimmtes Antippen mit der Hellebarde genügte, um für sofortige Stille zu sorgen.
Nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil veränderten sich die Messfeiern grundlegend. Da der Priester fortan den Gläubigen zugewandt feierte, verlor das Amt des Kirchenschweizers nach und nach seine Funktion.

RODENER BÜRGER IM ARMENHAUS ZU TRIER

(von Walter Schmolenzky)

Der nachstehende Bericht über das Armenhaus zu Trier, sowie die Daten und Namen der am Schluß  aufgeführten Personen aus Roden, die sich in der Zeit zwischen 1828 und 1899 im Armenhaus zu Trier befanden, sind dem „Band 21 der Vereinigung für die Heimatkunde des Landkreises Saarlouis entnommen.

Autor des Bandes mit dem Titel: „Die Insassen des Landesarmenhauses des Regierungsbezirkes Trier“ ist Thomas J. Schmitt.“

Das Landesarmenhaus in Trier wurde um 1812 von den Franzosen gegründet und nach 1822 durch die königlich preußische Verwaltung weitergeführt.

Die damaligen sozialen Umstände schufen diese Einrichtung, in der  kranke, alte und hilflose Menschen aus der Region untergebracht waren, aber auch arbeitsscheue und straffällige Personen unterschiedlichen Geschlechts wurden hier zwangsweise eingewiesen. Die Anstalt beherbergte sowohl Jugendliche als auch Erwachsene bis hin zu Greisen und Kindern. Eine nach heutigen Maßstäben völlig unzulässige und menschenunwürdige Einrichtung, die nur der Verwahrung aber nicht der Wiedereingliederung der Menschen in die Gesellschaft diente. Zwischen Armut, Krankheit und Strafälligkeit wurde damals kaum unterschieden, sodass diese Menschen zusammen in den sogenannten Armenhäusern, die es auch anderenortes gab, untergebracht waren. Überliefert sind kaum zu schildernde Zustände, ähnlich wie im Mittelalter: So soll z. B. für die Insassen nur ein Kochkessel für 450 Essen zur Verfügung gestanden haben, obwohl die Anstalt 650 Personen aufwies. Unhaltbare Zustände auch in der medizinischen Versorgung der Insassen:

Die Kranken sollen trotz verschiederner Krankheitsbilder zusammen- gelegen haben. Medizin wurde aus Flaschen verabreicht, einen OP-Saal gab es nicht. Die sanitären Anlagen waren völlig unzureichend. Es soll nur einen kleinen Baderaum für mehr als 600 Insassen gegeben haben. Die Menschen  trugen verschmutzte und stets klamme Kleidungsstücke. Und dies alles bei den damaligen weit verbreiteten ansteckenden Krankheiten. Aufseher und Wärter sollen nach einem Bericht im Kath. Volksboten aus dem Jan. 1849 mit dem merkwürdigen Titel:

„Die Mysterien des Landesarmenhauses zu Trier“

ehemalige Sträflinge gewesen sein, die die Insassen ohne jegliche staatliche Kontrolle mißhandelten und ausbeuteten bis eine Unter- suchungskommission dafür sorgte, dass sich die Unterbringungszustände im Laufe der Zeit besserten. Bis dahin aber litten die Bewohner unter den unmenschlichen Bedingungen in der Anstalt.

Roden gehörte damals zum Regierungsbezirk Trier und der infrage kommende Personenkreis aus Roden wurde daher im Landesarmenhaus in Trier untergebracht. Warum und weshalb die nachfolgenden Rodener in dieser Anstalt waren, ist nicht bekannt:

Becker, Katharina,
geboren um 1812 in Roden. Verstorben am 21. 07. 1893, beerdigt am 23. 07. 1893 Landesarmenhaus/Stadtfriedhof. 81 Jahre.

Blaschke, Leopold,
geboren um 1827 in Roden. Verstorben am 25. 07. 1889 Landesarmenhaus/Stadtfriedhof. 61 Jahre.

Breining, Margarete,
Tochter von Breining Johann und Weiss Magdalena, geboren um 1787 in Roden. Verstorben am 24. 09. 1837 Landesarmenhaus. 50 Jahre

Hahn, Katharina,
geboren um 1810 in Roden. Verstorben am 15. 04. 1857 Landesarmenhaus/Stadtfriedhof. 47 Jahre.

Hessler, Margarete,
geboren um 1824 in Roden. Verstorben am 26. 06. 1882 Landesarmenhaus/Stadtfriedhof. 58 Jahre.

März, Margarete,
geboren um 1809 in Roden. Verstorben am 1. 12. 1863 Landesarmenhaus/Stadtfriedhof. 54 Jahre.

Massonne, Johann,
Sohn von Massonne, Mathias und Calmes oder Culmes, Angela. Geboren um 1819 in Roden. Verstorben am 13. 04. 1842. Landesarmenhaus. 23 Jahre.

Kien, Katharina,
Tochter von Kien, Johann und Weber, Katharina. Geboren um 1845 in Roden. Verstorben am 25. 03 1870, Landesarmenhaus/Stadtfriedhof. 25 Jahre.

Mege, Anna,
geboren um 1850 in Roden. Verstorben am 13. 12. 1881 Landesarmenhaus/Stadtfriedhof. 31 Jahre.

Müller, Nikolaus,

Sohn von Müller, Johann Georg und Barbara Kiehn. Geboren um 1828 in Roden. Verstorben am 06.07. 1857 Landesarmenhaus/Stadtfriedhof. 29 Jahre.

Reimsbach, Nikolaus,
Sohn von Reimsbach Matthias und Katharina Rode. Geboren um 1826 in Roden. Verstorben am 15. 05. 1877 Landesarmenhaus/Stadtfriedhof. 51 Jahre.

Schönen, Peter,
geboren um 1796 in Roden. Verstorben am 01. 05 1883 Landesarmenhaus/Stadtfriedhof. 87 Jahre.

Staadt, Nikolaus,
Sohn von Karl Staadt und Becker, Anna. Geboren um 1858 in Roden. Verstorben am 03. 05 1876 Landesarmenhaus/Stadtfriedhof. 18 Jahre.

Die vorstehende Namensliste dürfte sowohl für den geschichtsbewussten Rodener als auch für den Familienforscher von Interesse sein. Vielleicht kann mit der Namensliste die ein oder andere Lücke im Stammbaum geschlossen werden oder ein heutiger Namensträger erfährt durch sie ein wenig über das Schicksal eines seiner Vorfahren?

Bildquelle: KI Archiv.16vor.de Armenhaus

Osterstimmung in der Victor’s Residenz Saarlouis

In der Victor’s Residenz Saarlouis herrschte in diesen Tagen eine ganz besondere, generationenübergreifende Osterstimmung. Im Rahmen einer Kooperation besuchten Schüler der Römerbergschule die Senioren der Residenz, um gemeinsam das bevorstehende Fest einzuläuten.

Unterstützt wurde die Aktion tatkräftig vom Rodener Heimatkundeverein Rodena, der nicht nur die nötige Expertise, sondern auch viel Herzblut in das Projekt einbrachte.

An den gedeckten Tischen wurde eifrig geschnitten, geklebt und gemalt: Von traditionellem Osterschmuck bis hin zu individuellen Dekorationen entstanden kleine Kunstwerke, die nun die Wohnbereiche verschönern.

Doch es ging um weit mehr als nur das Basteln: Der Austausch zwischen Jung und Alt stand im Mittelpunkt. Während die Schüler von ihrem Alltag erzählten, gaben die Senioren Geschichten über vergangene Osterfeste in Saarlouis zum Besten.

Diese lebendige Verbindung der Generationen machte den Nachmittag zu einem Erlebnis, das allen Beteiligten noch lange in schöner Erinnerung bleiben wird.

Gemeindekarte Roden aus dem Jahre 1831 (von Walter Schmolenzky

Nachfolgend ein paar Erläuterungen zu einer der schönsten und ältesten Karten von Roden:
Die Übersichtskarte datiert aus dem Jahre 1831 und wurde vermutlich von einem Geometer namens Klein erstellt. Der genaue Name ist im Rubrum nur schwerlich zu lesen. Roden zählte um diese Zeit ca. 2000 Einwohner und war – wie auf der Karte ersichtlich – bis auf die Hauptwege Gerberei, Herrenstraße, Lindenstraße sowie um den Bereich der alten Kirche (heutiger Marktplatz) nur locker bebaut. Weite Flächen, die heute größtenteils durch Wohnhäuser, Gewerbe- und Industrieanlagen sowie Fernstraßen geprägt werden, waren Acker- Wald- und Weidenflure. Heute wohl nicht mehr vorstellbar!
Leider wurde diese schöne alte Gemarkungskarte von Roden durch die Nationalsozialisten für immer durch unschöne Eintragungen verunstaltet, indem man im Kartenblatt 1936 den Namen Saarlouis in „Saarlautern“ änderte und nachträglich den Verlauf der Eisenbahnlinie Saarbrücken – Trier sowie ein paar neue Wegeführungen in rot einzeichnete. Sehr schade!
Verblieben sind die alten Flurnamen, wobei es sich bei einigen lohnt, schon etwas eingehender zu hinterfragen, worauf die Flurbezeich- nungen zurückzuführen sind. Früher sind Namen häufig nach Gehör geschrieben worden, sodass durchaus auch eine andere Deutung oder ein anderer Ursprung für die Bezeichnung einer Flur infrage kommen kann. In alten Rodener Katasterunterlagen werden zudem Flure häufig auch als Kantone oder Distrikte bezeichnet. Allen gemeinsam liegt jedoch immer ein Gebietsausschnitt aus einem Gemeindegebiet zugrunde. Nachfolgend die Flurbezeichnungen auf der Karte von links nach rechts:
Pontacker:
In etwa dort, wo sich heute die Autobahnbrücke über die Saar in den Saarwiesen befindet, befand sich in früher Zeit eine kleine Anlegestelle, an der leichte Boote und Nachen anlegten. Die Bezeichnung Pont… (acker) ist aus dem franz. Ponton = Boot abgeleitet. Die kleinen Kähne, die hier festmachten, kamen vielleicht aus Lisdorf und Wallerfangen und waren mit Acker- und Feldfrüchten aus den dortigen Auenfelder beladen. Möglicherweise hat auch der ein oder andere Saarfischer hier noch seinen Nachen vertäut. Die in alten Schriften häufig erwähnte zweite Furt über die Saar soll sich ebenfalls in diesem Bereich befunden haben.
Der seinerzeit nur wenige Kilometer flußabwärts befindliche sogenannte „Päther Bock“ [1] dürfte bei der Anlegestelle auf Rodener Gemeindegebiet eine tragende Rolle gespielt haben. Beim Päther Bock, bei Pachten, handelte es sich um die Anlegestelle für Frachtschiffe der Dillinger Hütte. Neben Verladerampen befanden sich dort Betriebs- und Lagerhallen. Es ist durchaus denkbar, dass hier neben Hüttenprodukten auch andere Waren umgeschlagen worden sind, die über die Anlegestelle am Rodener Saarufer, dem Pontacker, nach Roden gelangten.
Kuhnenwinkel:
Der Flurname dürfte auf den Eigentümer oder den Nutzer der Flur mit Namen “Kuhn“ zurückzuführen sein. Der Historiker Dr. S. Delges bezeichnet die Flur als „Kuhlpuhl“. Es könnte sich also auch um eine Kuhweide mit einem Pfuhl gehandelt haben. [2]
Brühl:
Brühl bedeutet feuchte nasse Wiesen. Die Flur erstreckte sich von Norden aus in Höhe der heutigen Erschließungswege des Dillinger Saarhafens bis weit in die Schrebergartenkolonie in Roden.
Es gibt am Rodener Berg (Re(ö)derberg den Bruchweg, der in das tiefer gelegene Gelände, in die sogenannten Bruchwiesen, führt. Das Wort „Bruch“, das auf moorige, sumpfige Flächen“ hinweist, kann hier im Zusammenhang mit dem Flurnamen Brühl gesehen werden. In dem Flurbereich befand sich auch das frühere „Rote Meer“, das ebenfalls auf nasse Flächen hindeutet. [3]
Sandkaul:
Die Bezeichnung beinhaltet das Wort „Sand“, der in weiten Teilen am Rodener Berg, entlang der Lorisstraße, des Volksparkes und des Friedhofes anzutreffen ist. Diese Bereiche stellen auch den sogenannten östlichen Beckenrand des Saarlouiser Beckens dar, der weitestgehend durch gelblich rote-Sedimentschichten geprägt wird.
Noch im letzten Jahrhundert gab es in der Josefstraße, etwa dort, wo heute das Schützenhaus steht, eine große Sandkaul, die für Kinder ein wunderbarer Spielplatz war. Der Sand, der hier in nicht unerheblichen Mengen abgebaut worden ist, war nach dem 2. Weltkrieg ein begehrter Baustoff. Unter älteren Rodener wird die untere Lorisstraße heute noch als „In der Sandkaul“ bezeichnet und einige Leser können sich auch noch an die Gaststätte „Zur Sandkaul“ Ecke Heiligen- Lorisstraße erinnern.
Hahnacker:
Die vorstehende Flurbezeichnung dürfte auf den Eigentümer bzw. Nutzer mit Nachnamen „Hahn“zurückzuführen sein. Jedenfalls habe ich keine andere Deutung gefunden.
Weingewännchen:
Die sonnige Hanglage in südwestlicher Richtung spricht dafür, dass hier einmal Wein angebaut worden ist. Vermutlich wurde nur wenig Wein angebaut, weil es sich um ein „Gewännchen“, um ein kleines Gewann gehandelt hat. Gewann ist im übrigen auch eine Flurbezeichnung.
Wulvesrath:
Die Flurbezeichnung ist seinerzeit nach Gehör geschrieben worden. Richtigerweise heißt sie „Wolfesrath“.[4]
Ob der Flurname vom Nachnamen Wolf oder auf das frühere Vorhandensein von Wölfen zurückzuführen ist, lässt sich zweifelsfrei nicht recherchieren. Da es auch in Wallerfangen eine Wolfesrath gab, die nachgewiesenermaßen auf das Vorkommen von Wölfen zurückzuführen ist, trifft dies mit hoher Wahrscheinlichkeit auch auf die Flur Wolfesrath in Roden zu. [5]
Auch die Nähe zu Dillingen spricht dafür. In alten Schriften kann man nämlich nachlesen, dass durch Regierungserlaß die Bauern in Dillingen aufgefordert wurden, sich bei der Feldarbeit mit Harken und Forken auszurüsten, um sich so gegen Wölfe wehren zu können. [6] Die waldreichen Flächen in Dillingen, der Saarwellinger Wald, die fast übergangslos in den Rodener Wald übergegangen sind, waren früher reich an Wild und für Wölfe somit ein guter Standort. Leider wurde der Rodener Wald 1919 im Zuge der Industrialisierung verkauft und abgeholzt. Hierüber waren seinerzeit viele Rodener erbost und verärgert, zumal es danach doch nicht zu einer Industrie- ansiedelung kam.
Erst heute befinden sich dort neben Gewerbe- und Industrieanlagen die Ford Werke.
Rath:
Nach der Flurbezeichnung sind heute die kleine und die große Rathstraße benannt. Als „Rath“ bezeichnet man im Mitteldeutschen abgegrenzte, eingefriedete Grundstücke.
Langenberg:
Der Langenberg ist Teil der Hochterrasse des Saarlouiser Beckens, die sich vom Rodener Berg über den Römerberg bis zu Fordwerken erstreckt. Zu der Höhenlage, dem Langenberg, führen u. a. die Winter- und die Treppenstraße.
Letztere, die Treppenstraße, wie schon der Name verrät, ist eine beschwerliche und lange Wegestrecke bis hoch zu der Anhöhe. Auf die langgezogene Wegstrecke ist vermutlich der Flurname, Langen- berg, zurückzuführen. Heute weist die Straße „Am Langenberg“ auf die alte Bezeichnung hin.
Heid:
Die Bezeichnung stellt auf eine unbewirtschaftete Fläche, mit wenig ertragreichem Boden, einer Heide ähnlichen Landschaft ab. Früher waren hier weite Teile mit Ginster bedeckt.
Au:
Von Auenflächen abgeleitet. Weite Wiesen, die von einem Fluß durchzogen werden, sind typische Auenlandschaften. Man stelle sich vor, man steht in früher Zeit auf der Teufelsburg und blickt in Richtung Osten. Eine weite grüne Ebene, die vom blauen Band der Saar durchzogen wird, liegt einem zu Füßen. So oder so ähnlich, wird in alten Schriften das Saartal, das Saarlouiser Becken, traumhaft beschrieben. Obwohl im Laufe der Zeit die Saar verlegt und begradigt worden ist, zählen die Rodener Saarwiesen noch heute mit zu den schönsten Flußauen im Land.
Au:
Heute geschrieben, „die Fliesen“. Die Deutung liegt auf fließendem Wasser. Dazu muss man wissen, das noch im vergangenen Jahrhundert, vor der Saarverlegung, weite Teile der Flur, heute südlich der Schanzenstraße, regelmäßig unter Wasser standen, wenn die Saar Hochwasser führte. Der frühere Rodener Damm und die Schleusenbrücke an der Schanzenstraße waren Relikte aus jenen Tagen und zeugten davon, dass hier ständig Wasser floß. [7]
Außerdem gehörten die Fliesen zum Überschwemmungssystem der Festungsstadt Saarlouis. [8]
Gelbengrund:
Dieser Bezeichnung liegen die dort vorkommenden gelben Sandschichten zugrunde.
Leßert:
Wie auf der Karte zu sehen ist, war die Flur früher bewaldet. Der Flurname ist auf die Familie „Lessel“ (ehemalige Gaststätte „Lessel“, heute beim Ali) zurückzuführen, die dort wohnte oder in deren Eigentum die Flur stand.
Kowatschenhof:
Am Kartenrand unten, in den Fliesen, ist der „Kowatschenhof“ eingetragen, mit dem es folgende Bewandtnis hat:
Franz Kowatsch, nach dem der Hof benannt war, war unter Marschall Ney Militärattachè. Im Jahre 1812 erhielt er wegen seiner Verdienste das obige Grundstück in Roden und errichtete darauf eine Hofanlage. Einen großen landwirtschaftlichen Betrieb mit einer Gaststätte. [9]
Später nannte man das Grundstück „Schönensgarten“, der der Familie Schönen gehörte. Nach dem 2. Weltkrieg befand sich in dem Bereich (heute Ev. Realschule CM King), der auch das Binzgelände genannt wird, der Rodener Fußballplatz „Auf der Binz“ (ebenfalls eine Flurbezeichnung stellt auf Binsen, Schilf, Röhricht ab).
Flurnamen werden im Laufe der Zeit auch umbenannt. So hießen z. Bsp. einige der vorgenannten Flurstücke bei einer Bannbegehung im Jahre 1636: an Stauden, Baumellen, Buchborn, Hepeloch um nur einige zu nennen. [10]
Fundstellen:
[1]
Heimatkundliches Jahrbuch Landkreis Saarlouis 1975, S. 359
[2]
Dr. S. Delges, Roden im Wandel der Jahrhunderte 1933, S. 52
[3]
Heimatkundliches Jahrbuch Saarlouis 1960, S. 386
Aus dem Rodener Gedächtnis 2018, S. 60
[4]
Dr. S. Delges Roden im Wandel der Jahrhunderte 1933, S. 52
[5]
Theod. Liebertz, Wallerfangen und seine Geschichte, S. 84
[6]
Aus dem Rodener Gedächtnis, 2018, Der Wolf in unserer Heimat, S. 48
[7]
Vermischtes aus dem alten Roden, 2019, Rodener Straßennamen, S. 14
[8]
Saarlouis, Lohse-Balzer, 1977
[9]
Unsere Heimat Mtbl. des Landkreises Saarlouis, 1994, Heft 4, S. 136
[10]
Dr. S. Delges, Roden im Wandel der Jahrhunderte, 1933, S. 36ff
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