DIE BEDEUTUNG VON OSTERN

AUTOR: Josef Theobald

An Ostern feiern die Christen die Auferstehung Jesu Christi. Es ist
das älteste und höchste Fest im Kirchenjahr. Ein liturgischer Höhe-
punkt  ist die Feier der Osternacht zwischen Karsamstag und Oster-
sonntag. Das Osterfest ist aus dem jüdischen Passahfest (auch:
Pascha oder Pessach) hervorgegangen, an dem die Juden die
Befreiung der Israeliten aus Ägyptischer Gefangenschaft feiern.

Der Zeitpunkt der Osterfeier war nicht überall derselbe. In den rom-
orientierten Kirchen wurde das Fest stets am Sonntag gefeiert, und
zwar an dem Sonntag, der auf den 14. Nisan nach dem jüdischen
Kalender fiel und folgte, in der Annahme, dass der Herr an einem
Sonntag auferstand. In der Provinz Asia proconsularis aber hielt
man es, und zwar unter der Berufung auf den Apostel Johannes,
mit den Juden ohne Rücksicht auf den Wochentag stets am 14.
Nisan (Luna XIV), am Todestag des Herrn selbst, sofern er am
14. Nisan starb (Quartodecimanismus). Hier gab es eine Aus-
einandersetzung zwischen Polykarp von Smyrna mit dem Papst
Anicet in Rom. Zu einem Streit kam es aber unter Papst Viktor
(189-198). Viktor exkommunizierte zunächst die Anhänger des
Quartodecimanismus. Doch durch die Vermittlung des Irenäus
von Lyon war bald der Friede wiederhergestellt. Im Laufe des 3.
Jahrhunderts ließen schließlich die asiatischen Gemeinden, nur
wenige ausgenommen, von ihrem Sonderbrauch ab. [1]    

Viele Sprachen haben den aramäischen Namen dieses jüdischen
Festes für das Osterfest übernommen. Der wohl älteste literarische
Beleg für Ostern findet sich beim Kirchenlehrer Beda Venerabilis
(647-735) mit „Eostro“. Aus dem griechischen „éos“ („Morgenröte“)
entstanden sowohl das englische Wort „Easter“ als auch die deutsche
Bezeichnung „Ostern“. Die Morgensonne steht symbolisch für den auf-
erstandenen Christus. Seit dem 1. Konzil von Nizäa (325) wird Ostern
am Sonntag nach dem ersten Frühjahrsvollmond gefeiert. Da die ortho-
doxe Kirche der Kalenderreform unter Papst Gregor XIII. im Jahre 1582
nicht folgte, feiern Ost und West zumeist an unterschiedlichen Tagen.

Im Zusammenhang mit Ostern gibt es zahlreiche Osterbräuche. Der
wohl bekannteste ist, bemalte Eier zu verschenken. [2] Hinzu kommen
populäre Festpraktiken. Dazu gehörten mittelalterliche Passions- und
Osterspiele, in denen biblische Erzählungen thematisiert wurden. Im
Spätmittelalter fand sich die Praxis des Ostergelächters, mit denen
die Gemeinde auf derbe Geschichten und Gesten in der Osterpredigt
reagierte. Die Segnung der Speisen (Osterbrot) und gemeinsames
Osteressen beschloss das vorangehende Fasten. Ostereier und
-hasen sind heute Insignien von Ostern als Kinderfest, sie nehmen
Bezug auf naturzeitliche Symbolik oder sind mit Elementen sozialer
Praxis verknüpft. So gelten etwa „Eier“ religionsgeschichtlich als
Fruchtbarkeitssymbole und versinnbildlichen im österlichen Kon-
text den Ursprungsort neuen Lebens. Sie fungieren zugleich als
besondere Nahrungsmittel für Kinder oder Wöchnerinnen und als
Abgaben des zu Ostern zu entrichtenden Zinses. Grundmotiv der
christlichen Ostersymbolik sind der Kontrast, Übergang und Weg
von Dunkelheit zu Licht. [3]        

Bis zum 16. Jahrhundert wurden im Volksglauben die Ostereier
von ganz unterschiedlichen Tieren gebracht. In einigen Regionen
kamen sie beispielsweise vom Fuchs, in anderen vom Hahn, vom
Storch und vom Kuckuck. Spätestens ab dem 18. Jahrhundert ist
nur noch der Hase als Frühlingsbote und Ostersymbol bekannt.
Der Hase ist das Tier der Liebesgöttin Aphrodite sowie der ger-
manischen Erdgöttin Holda. Er ist aber nicht nur Götterbote, er
ist auch ein altes Zeichen für das Leben und für die Fruchtbar-
keit, da die Hasen im Frühjahr sehr vielen Jungen das Leben
schenken.

In der Nacht von Karsamstag auf Ostersonntag oder in der darauf-
folgenden Nacht werden vielerorts Osterfeuer angezündet. Diesen
Brauch kannten schon die Germanen. Das Feuer sollte den Winter,
aber auch die Dämonen und Geister vertreiben. Darum wurden oft
Strohpuppen in der Mitte des Holzhaufens aufgestellt und verbrannt.
Bis heute wird der Brauch, am Ostersonntag Feuerräder einen Berg
herunterrollen zu lassen, gepflegt. Die brennenden Räder stellen ein
Bild der Sonne und des ewigen Lebens dar.       

Seit Mitte des 2. Jahrhunderts n. Chr. sind jährlich wiederkehrende
christliche Osterfeiern mit Gottesdiensten belegt. Diese wurden zu-
nächst als Versinnbildlichung des Übergangs vom Tod zum Leben
und damit der Auferstehung Jesu als nächtliche Eucharistie (als die
Vigilien) begangen. Seit dem 6. Jahrhundert kontinuierlich auf den
Karsamstagmorgen vorverlegt, gilt nun seit dem 16. Jahrhundert
der Gottesdienst am Ostersonntag als eigentliche Osterfeier; die
orthodoxen Kirchen haben die Nachtfeier bis heute als Hauptfest
beibehalten.   

Nimmt man als Ursprung für das Osterfest das jüdische Pessach,
so ist bei dieser Feier ein Hirtenfest vorauszusetzen, an dem ein
Lamm geschlachtet wurde. Darauf wird auch die Verbreitung des
Osterlamms zurückgeführt. Denn im Christentum wurde das Oster-
lamm mit Christus gleichgesetzt (1. Korinther 5,7b). [4]

ANMERKUNGEN
[1] Bihlmeyer–Tüchle, Kirchengeschichte, Erster Teil: Das christ-
     liche Altertum, 12., verbesserte und ergänzte Auflage, Verlag
     Ferdinand Schöningh, Paderborn 1951, § 25,3.   
[2] Manfred Becker-Huberti / Helmut Lota, KATHOLISCH A-Z, das
     Handlexikon, Verlag Herder, Freiburg (Breisgau) 2009, Seiten
     186/87.     
[3] Taschenlexikon „Religion und Theologie“, Band 3: O-Z, Verlag
     Vandenhoeck &  Ruprecht, Göttingen 2008, Seite 893.
[4] Die wichtigsten Feier- und Gedenktage (Religiöse und nationale
     Feiertage weltweit), Bertelsmann Chronik, wissenmedia Verlag,
     Gütersloh/München 2009, Seiten 32 + 33.