AKRANZ

DIE ADVENTSZEIT

AUTOR: Josef Theobald

Der Terminus „Advent“ kommt vom lateinischen „adventus“ und bedeutet
„Ankunft“ und meint in diesem Zusammenhang die Vorbereitungszeit auf
das Fest der Geburt Christi (Weihnachten). Die Adventszeit umfasst die
vier Wochen vor dem Weihnachtsfest. Mit dem ersten Adventssonntag
beginnt das Kirchenjahr.

Gebräuchlich ist in dieser Zeit der „Adventskranz“, ein geflochtener Kranz
aus grünen Zweigen mit vier Kerzen, die nach und nach an den Advents-
sonntagen entzündet werden. Der Kranz steht für den Erdkreis, der auf
die Erlösung wartet; die Kerzen symbolisieren das Licht, das zunimmt,
je näher die Geburt des Erlösers Jesus Christus rückt. [1]

Einer der frühen Adventskränze ist der von J. H. Wichern (1808-1881), der
in dem von ihm gegründeten „Rauhen Haus“ bei Hamburg seit etwa 1850
hing. Dieser große Kranz hatte 24 Kerzen, die täglich angezündet wurden,
bis am 24. Dezember alle Kerzen brannten. Das „Rauhe Haus“ war eine
Erziehungsanstalt (für jugendliche Straftäter) und die Keimzelle der Inne-
ren Mission in der evangelischen Kirche. Zunächst ließ Johann Wichern
vom ersten Sonntag im Advent an kontinuierlich eine große weiße Kerze
auf den von der Decke hängenden runden hölzernen Reifen und an den
Werktagen kleine rote Kerzen dazwischen stellen. Nach 1860 wurde der
ursprünglich für die Kerzen verwendete Kronleuchter mit Tannenzweigen
verziert, womit der Adventskranz geboren war. [2] Ab 1925 hat dieser Ad-
ventskranz, allerdings mit nur noch vier Kerzen, auch seinen Einzug in die
katholische Kirche genommen. [3]    

Noch vor der Liturgiereform durch Papst Gregor dem Großen kam in der
römischen Kirche der Advent als Vorfeier von Weihnachten auf, also vier
Wochen bzw. Sonntage umfassend. Auch der Orient (Syrien, Ägypten)
kannte eine 3 bis 4 wöchentliche Vorbereitungszeit. [4]

Der genannte Papst Gregor I. (um 540-604) vereinheitlichte die Advents-
zeit auf vier Wochen. Fällt der Heilige Abend auf einen Sonntag, ist dies
zugleich der 4. Advent. Sonst verlängert sich diese Zeit vom 4. Advent
bis zum Heiligen Abend. Beim Aachener Konzil wird die Regel im Jahr
825 in Deutschland verbindlich eingeführt. [5]

Erst die dem Konzil von Trient (Tridentinum, 1545-1563) folgenden Li-
turgiebücher schrieben den Advent gesamtkirchlich vierwöchig vor; bis
heute hält Mailand (Milano) an einem sechswöchigen Advent fest. [3]  

Möglicherweise hatte in Deutschland die Begeisterung für die Natur der
„bündischen Jugend“ (um 1910) den Siegeszug des Adventskranzes ge-
fördert. Jedenfalls ging der Adventskranz von Norddeutschland aus und
war nur in evangelischen Familien gebräuchlich. Eine Untersuchung im
Umfeld von Tübingen aus dem Jahre 1928 zeigte, dass dieser Kranz in
protestantischen Orten über Pfarrer, Lehrer und kirchliche Vereine in die
Familien zumindest bei den Wohlhabenden eingekehrt ist.


Der erste Adventskalender ging bei der in München ansässigen „Reich-
holdschen Druckerei“ im Herbst 1908 in Druck. Hier war Gerhard Lang,
aus einer kinderreichen Pfarrersfamilie im württembergischen Maulbronn
stammend, am 29. Februar 1908 als Teilhaber eingestiegen. Jener wurde
zuerst „Weihnachtskalender“ genannt. Er bestand aus einem dünnen Blatt
mit 24 Bildern und aus einem starken Untergrundkarton mit einem Stein-
druck. Auf der Vorderseite dieses Kartons waren die 24 Felder mit Zahlen
und Texten versehen. Die Kinder lasen den Text des Feldes und schnitten
täglich eines der dazugehörigen Bilder aus dem Blatt aus, um es auf den
Karton zu kleben. Am 24. Dezember war schließlich der Bilderbogen voll-
ständig. Die jetzt zugeklebten Verse der Vorderseite waren auch auf die
Rückseite des Kartons gedruckt. [5]  

Zur Einstimmung auf die bevorstehende Weihnachtszeit findet in einigen
Regionen das traditionelle Adventssingen statt. Zu Vorweihnachtszeit ge-
hört die Weihnachtsbäckerei mit Lebkuchen, Spekulatius und Christstollen,
der seit dem Jahr 1329 bekannt ist. Ihre Tradition haben ebenfalls die Weih-
nachtsmärkte, die vielerorts zur Adventszeit stattfinden. Der älteste deutsche
Weihnachtsmarkt ist der Dresdner Striezelmarkt – bekannt nach dem traditio-
nellen Stollengebäck – der bereits 1434 erwähnt wurde. [3]    

ANMERKUNG
[1] Manfred Becker-Huberti/Ulrich Lota, KATHOLISCH (A-Z), Ein Hand-
     lexikon, Verlag Herder, Freiburg (Breisgau) 2009, Seite 14.  
[2] Hans-Peter Ebert, Festtage zum Nachlesen (Hintergründe zu Zeit-
     rechnung und Brauchtum), DRW-Verlag, Leinfelden-Echterdingen
     2001, Seite 110.
[3] Die wichtigsten Gedenk- und Feiertage (Religiöse und nationale
     Feiertage weltweit), Chronik Bertelsmann, Wissen Media Verlag,
     Gütersloh/München 2009, Seiten 68 + 69.
[4] KIRCHENGESCHICHTE von Karl Bihlmeyer und Hermann Tüchle,
     Erster Teil: Das christliche Altertum, Verlag Ferdinand Schöningh,
     Paderborn 1951, § 69,2.
[5] wie [2], jedoch die Seiten 108, 111/12.